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Standard "Pflege
von Senioren mit Allergien" |
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Definition: |
Eine Allergie ist eine
übertriebene Abwehrreaktion des Immunsystems auf den Kontakt mit
körperfremden und eigentlich harmlosen Substanzen wie etwa Pollen,
Pilzsporen, tierischen Hautzellen, Federstaub, Speichel, Schweiß, Harn
und Stuhlproteinen, Milbenkot, Insektenschüppchen, Holz- oder Mehlstaub.
Der Auslöser für eine Allergie ist ein zunächst
symptomfreier Kontakt mit dem Allergen. (Allergen = körperfremde
Substanz, die eine allergische Immunantwort auslöst.) Dem schließt sich
eine Sensibilisierungsphase an, die zwischen fünf Tage und mehreren
Jahren dauern kann. Kommt der Betroffene mit dem Stoff erneut in
Kontakt, reagiert der Körper mit einer allergischen Reaktion. |
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Grundsätze: |
- Wir nehmen alle Symptome einer Allergie stets
ernst. Eine Allergie kann die Gesundheit und sogar das Leben eines
Bewohners gefährden.
- Wir arbeiten eng mit dem Hausarzt und dem
Allergologen zusammen.
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Ziele: |
- Der Bewohner kennt die Allergene und
vermeidet den Kontakt.
- Der Bewohner kennt die Symptome und ist in
der Lage, diese präzise zu beschreiben.
- Der Bewohner hat einen Allergiepass und trägt
diesen stets bei sich.
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Vorbereitung: |
allgemeine Maßnahmen |
- Unsere Mitarbeiter werden regelmäßig zu
diesem Thema fortgebildet und insbesondere für die häufigsten
Symptome sensibilisiert.
- Wir halten stets aktuelle Fachliteratur
bereit.
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| Einordnung der Allergie |
Wir stellen Informationen zusammen,
die auf die Art der Allergie schließen lassen. Hinsichtlich der
allergischen Reaktion sind verschiedene Beobachtungen wichtig:
- Wie schnell erfolgt die Reaktion auf das
Antigen? Sofort, nach Stunden oder nach Tagen?
- Hat der Bewohner Hautausschlag, Risse oder
Blasen? Ist die Reaktion auf ein Hautareal begrenzt?
- Klagt der Bewohner über Juckreiz oder
Schmerzen?
- Leidet der Bewohner unter Neurodermitis?
- Sind Ödeme sichtbar?
- Ist der Bewohner kurzatmig? Leidet er an
Atemnot?
- Sind Herzrhythmusstörungen, insbesondere
Herzrasen, feststellbar?
- Leidet der Bewohner an Fieber oder an
Hitzegefühl?
- Ist der Bewohner sehr unruhig?
- Tränen die Augen? Ist die Bindehaut
entzündet?
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Inhalationsallergie
- Zufuhr: Das Allergen wird eingeatmet.
- Auslöser: Pollen von Pflanzen und Gräsern,
Schimmelsporen, Tierhaare, Hausstaub, Bettfedern, Lacke, Farbstoffe
- Symptome: Bindehautentzündung, wässriger
Schnupfen, Asthma
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Nahrungsmittelallergie
- Zufuhr: Das Allergen wird mit der Nahrung
aufgenommen.
- Auslöser: Arzneimittel in Tabletten- oder
Tropfenform, Nüsse, Erdbeeren, Fisch, Eier, Milch
- Symptome: Hautrötungen, Fieber,
Gelenkbeschwerden, Durchfall, Übelkeit
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Kontaktallergie
- Zufuhr: Das Allergen gelangt über die Haut in
den Körper.
- Auslöser: Hautpflegemittel, Modeschmuck
- Symptome: lokale Rötungen und Schwellungen,
Juckreiz
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Injektionsallergie
- Zufuhr: Das Allergen wird in die Blutbahn
gespritzt.
- Auslöser: Insektengift, unverträgliche
Medikamenteninjektion
- Symptome: anaphylaktischer Schock
(lebensbedrohliche Schocksymptomatik), Hypotonie, Bewusstlosigkeit
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- Wenn es relevante Hinweise für eine Allergie
gibt, regen wir den Besuch bei einem Allergologen an.
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Durchführung: |
Medikation |
Je nach Allergieform regen wir beim
Hausarzt / Allergologen eine angemessene Medikation an.
- Antihistaminika. Diese schwächen oder
blockieren die Wirkung von Histamin.
- Kortison. Dieses schwächt die
Antigen-Antikörper-Reaktionen.
- Hyposensibilisierung. Durch regelmäßige
subkutane Injektionen stark verdünnter Antigene wird die
Reaktionsbereitschaft des Körpers reduziert.
- Notfallausrüstung, insbesondere mit Adrenalin
oder Glukokortikoiden
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| Allergenkarenz
(Expositionsprophylaxe) |
Die wirksamste Strategie zur
Vermeidung von allergischen Reaktionen besteht darin, dass der Bewohner
mit dem Antigen möglichst nicht mehr in Kontakt kommt. Abhängig vom
individuellen Krankheitsbild kommt eine Vielzahl von Maßnahmen in
Betracht. Etwa:
- Daunenbettdecken werden durch
Synthetikbettdecken ersetzt.
- Fenstervorhänge, Bettvorleger und
Badezimmergarnituren werden aus einem gut waschbaren Material
gewählt.
- Wir wählen Möbel, die sich leicht reinigen
lassen.
- Der Bewohner verzichtet auf Zimmerpflanzen
und meidet den Kontakt mit Tieren.
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| Nebenwirkungen, Wechselwirkungen |
- Einige Antihistaminika können die
Reaktionsfähigkeit mindern und den Bewohner müde machen. Die
Sturzgefahr ist erhöht.
- Viele Antihistaminika dürfen nicht mit
Sedativa, Psychopharmaka oder Alkohol kombiniert werden.
- Bei Kortison drohen verschiedene
Komplikationen:
- Cushing-Syndrom (Anreicherung von
Cortisol im Plasma)
- Ulcus ventriculi (Läsion der
Magenschleimhaut)
- Ödeme (schmerzlose, nicht gerötete
Schwellungen ausgelöst durch die Ansammlung von Flüssigkeit im
Gewebe)
- Hypertonie (Bluthochdruck)
- Petechien (kleinste punktförmige
Kapillarblutungen in der Haut)
- Steroidakne
- Steroiddiabetes (Entwicklung von
Glukosurie oder Diabetes mellitus)
- Steroidkatarakt (Trübung der Augenlinse)
- Myopathie (entzündliche oder degenerative
Muskelerkrankung)
- Osteoporose (Skeletterkrankung mit
Verminderung der Knochenmasse)
- erhöhtes Infektionsrisiko
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| weitere Maßnahmen |
- Wir halten stets einen Pollenflugkalender
bereit. Pollen sind die häufigsten Auslöser von Allergien.
- Im Dialog mit dem Bewohner wird diesem
verdeutlicht, wie wichtig die disziplinierte Vermeidung des
Allergens ist.
- Wir suchen den Kontakt zu Angehörigen und
fragen diese, ob Allergien beim Bewohner bekannt sind.
- Nahrungsmittelallergien werden bei der
individuellen Speisenplanung berücksichtigt. Wir arbeiten dafür eng
mit der Hauswirtschaft zusammen.
- Wir sorgen dafür, dass jeder Allergiker
seinen Allergiepass stets bei sich trägt, wenn er das Haus verlässt.
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| Notfall anaphylaktischer Schock |
Ein anaphylaktischer Schock ist die
gravierendste Form einer allergischen Reaktion. Er kann binnen weniger
Minuten zum Tod des Bewohners führen. Wenn etwa eine Allergie gegen
Bienengift besteht, kann schon ein einziger Stich diesen Schock
auslösen. Wir achten daher auf Symptome, die
für einen anaphylaktischen Schock sprechen:
- Kapillardilatation (Erweiterung der
Haargefäße)
- Hypotonie (zu niedriger Blutdruck /
herabgesetzte Muskelspannung)
- hypovolämischer Schock (Verminderung des
zirkulierenden Blut- oder Plasmavolumens)
- Bronchospasmus (Krampf der
Bronchialmuskulatur)
- Angioödem (großflächiges subkutanes
Anschwellen von Haut und Schleimhaut)
- Kehlkopfödem (Schwellung in diesem Bereich)
- Konvulsionen (Schüttelkrämpfe)
- Herzversagen und Atemstillstand
Wir ergreifen umgehend entsprechende Maßnahmen:
- Der Notarzt wird gerufen. Er entscheidet über
das weitere Vorgehen.
- Trendelenburg-Lagerung (Kopftieflagerung,
Schocklagerung)
- ggf. venösen Zugang legen
- Kontakt mit dem Allergen verhindern
- ggf. bei Insektenstich: abbinden der
Extremität
- ggf. Adrenalin-Injektion
- ggf. Gabe von Antihistaminika
- ggf. Gabe von Glukokortikoiden
- ggf. Ringer-Lösung als Volumenersatz
- ggf. Sauerstoffgabe (mindestens 8 Liter pro
Minute)
- ggf. Intubation
- Kontrolle und Sicherung der Vitalfunktionen,
also ggf. insbesondere Wiederbelebung
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Nachbereitung: |
- Alle Maßnahmen und Beobachtungen werden
sorgfältig dokumentiert.
- Aufgetretene Probleme bei der Pflege von
Allergikern werden im Qualitätszirkel thematisiert.
- Die Pflegeplanung des Bewohners wird
regelmäßig aktualisiert.
- Relevante Beobachtungen werden umgehend dem
Hausarzt mitgeteilt.
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Dokumente: |
- Berichtsblatt
- Vitalzeichenblatt
- Allergiepass
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Verantwortlichkeit /
Qualifikation: |
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